Mal andersrum: Was Pflegende von Angehörigen erwarten

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00:00:01: Herzlich willkommen bei Upgrade Pflege!

00:00:04: Hier dreht sich alles um Pflege, Wertschätzung und Verantwortung.

00:00:09: Wir zeigen was Pflegende leisten welche Herausforderungen sie meistern und wie wir gemeinsam die Zukunft der Pflege gestalten können.

00:00:18: Heute sprechen wir über ein Thema das in der Klinik E den Tag eine große Rolle spielt und trotzdem oft zu wenig offen angesprochen wird.

00:00:26: Was wünschen sich Pflegenden denn eigentlich von Angehörigen?

00:00:30: Denn eins ist klar, Pflege funktioniert am besten wenn alle zusammenarbeiten.

00:00:34: Ich freue mich auf drei Gäste aus dem Klinikum heute.

00:00:38: Laura Kauper, Station Vierzehn.

00:00:40: Sie ist pflegewissenschaftliche Mitarbeiterin.

00:00:42: Grüß dich!

00:00:43: Stefanie Schieder, sie ist Case-Managerin auf der Güne Ökologie und Geburtshilfe.

00:00:49: Und Jana Täuber, Sozialpädagogin.

00:00:53: Stellvertretende Leitung des Sozialdienstes Die Vorstellungsrunde.

00:00:58: Stimmt es ihr da seid?

00:00:59: Fangen wir mal an, wenn ihr an den Alltag denkt.

00:01:04: welche Rolle spielen Angehörige für euch?

00:01:07: Die Antworten kommen von euch allen rein.

00:01:10: Wir fängt an!

00:01:11: Wer springt ins kalte Wasser?

00:01:14: Also Angehörtige sind für mich ein ganz zentraler Teil der Versorgung.

00:01:19: oft sind sie die Menschen, die die Person hinter der Erkrankung wirklich kennen.

00:01:25: Gleichzeitig erlebe ich aber auch häufig die Situation, dass sie überhaupt nicht vorbereitet sind.

00:01:31: Plötzlich ist dann eine Erkrankung und plötzlich kommen Sie ins Krankenhaus ... Und auf einmal müssen sich Entscheidungen treffen, die vorher nie Thema waren.

00:01:41: Genau da wird eigentlich die Rolle von Angehörigen so wichtig als Unterstützung für den Patienten, aber auch für uns in der Zusammenarbeit.

00:01:49: Für euch im Sozialdienst?

00:01:50: Richtig!

00:01:51: Laura Kauper Du arbeitest auf Station Vierzehn als pflegewissenschaftliche Mitarbeiterin.

00:01:57: Was ist deine Meinung dazu?

00:01:58: Angehörige spielen für uns eine sehr große und entscheidende Rolle, weil sie kennen nun mal ihren Familienmitglied am allerbesten und können uns alle mögliche Informationen geben oder auch die Lebensumstände uns beschreiben oder auch Gewohnheiten.

00:02:12: Und vor allem für Dementepatienten – das ist oft sehr wichtig -, dass die Angehörtigen mit uns zusammenarbeiten, weil es einfach ein Sicherheitsfaktor ist für den einzelnen Patienten.

00:02:21: Genau und deswegen muss das Zusammenspiel zwischen Angehörigempflege sehr gut funktionieren.

00:02:27: Wie sieht es Stefanie?

00:02:29: Stefanie Schieder, Case Managerin.

00:02:31: Ja erstmal vielen Dank dass wir da sein dürfen.

00:02:33: ich bin ja auf der Geburtenstation tätig und ja also Geburt ist immer mit vielen Emotionen Ängsten und Sorgen natürlich auch verbunden.

00:02:42: deshalb sind für uns die Angehöhrigen also speziell die Väter also wirklich von ganz ganz großer Bedeutung.

00:02:47: Also sie sind in dem Fall nicht nur die wichtigste Informationsquelle für uns, sondern einfach auch wirklich eine ganz wichtige emotionale Unterstützung für die Patientinnen.

00:02:57: Deshalb sind wirklich die Angehörigen auf unserer Station sehr wichtig!

00:03:00: Wir sind bei Herausforderungen und Missverständnissen – lasst uns mal ein bisschen tiefer einsteigen.

00:03:05: welche typischen Missverständnisse begegnen euch denn im Alltag?

00:03:09: Also bei uns auf der Geburtenstation gibt es tatsächlich die meisten Missverständnisse in Bezug auf den Wunsch auch Familienzimmer und auf die Besuchszeitenbegrenzung.

00:03:20: Es ist leider tatsächlich, die Belegungssituation zwingend uns manchmal Familienzimmers halt aufzulösen schon bestehende oder eben einfach leider die Tatsache dass wir keine Familienzimmern anbieten können.

00:03:32: Und ja das macht das manchmal etwas schwierig.

00:03:35: Besuchszeitenmäßig sind so die Väter haben bei uns gelockerte Besuchzeiten also einfach zur Unterstützung für Mutter und Kind.

00:03:42: Alle weiteren Angehörigen weisen wir aber auch wirklich immer auf die offiziellen Besuchszeiten hin, wir wollen einfach wirklich den Müttern auch Ruhezeiten gönnen um sich von der Geburt zu erholen und die Mutter-Kindbeziehung zu stärken und einfach für geregelten Stationsauplauf ist das einfach immens

00:03:58: wichtig.".

00:03:59: Das war Gönäkologie auf der Station Vierzehn.

00:04:01: sieht es ein bisschen anders aus?

00:04:03: Laura.

00:04:04: Also für Angehörige ist das Familienglied das Allerwichtigste.

00:04:07: Wir haben aber mehrere Patienten gleichzeitig und müssen einfach der Prioritäten setzen, was das Notwendigste in diesem Moment ist – und dafür fehlt leider oft des

00:04:17: Verständnis.".

00:04:18: Unsere Aufgaben und die Komplexität der Pflege sowie auch der Zeitfaktor sind von außen oft nicht einsehbar.

00:04:24: Und es führt dann auf zu Missverständnissen, wenn man nicht mal schnell einfach kommen kann oder lange Gespräche führen kann.

00:04:30: Auch für unsere ausländischen Mitarbeiter und auf unseren Berufsanfänger bitten wir etwas um Geduld.

00:04:37: Die müssen sich noch finden und wir sind sehr froh dass sie da sind und sollen auch wertgeschätzt werden!

00:04:41: Und auch müssen wir uns an rechtlichen Vorgaben halten, wie zum Beispiel den Datenschutz.

00:04:46: Also Informationen am Telefon können wir einfach nicht weitergeben – es ist oft kein böser Wille, liegt einfach an rechtlichem

00:04:51: Vorgabend.".

00:04:55: Für uns vom Sozialdienst ist eigentlich das häufigste Missverständnis.

00:05:00: Das Krankenhaus regelt es schon, also wir erleben immer öfter ältere Patienten die noch alleine leben ohne Vorsorgevollmacht, ohne Patientenverfügung und ohne klare Strukturen für den Fall der Fälle.

00:05:14: Und dann stehen auch noch die Angehörigen plötzlich vor der Tür und erwarten dass wir vom Sozialdiens eben alles organisieren sei es Anträge, Pflege und Unterbringung.

00:05:24: Und das können wir einfach so nicht umsetzen.

00:05:27: Wir unterstützen gerne, wir beraten, wir zeigen Wege auf aber wir können das eben nicht alleine übernehmen.

00:05:34: Wie's die Kollegin jetzt gerade auch schon mit dem Datenschutz angesprochen hat ist bei uns auch ein großes Thema.

00:05:40: ohne eine entsprechende Vorsorgevollmacht.

00:05:43: Können wie oft Dinge mit den Angehörigen gar nicht regeln und das sorgt dann für Unverständnis Und so eine Situation ist für alle Seiten belastend und oft vermeidbar, wenn man sowas vorher eben schon klären würde.

00:05:57: Gibt es Situationen, bei denen die Zusammenarbeit mit Angehörigen besonders gut klappt?

00:06:02: Jana du kannst gleich ein Mikrofon bleiben aus Sicht des Sozialdienstes.

00:06:06: Ja gibt's definitiv und die zeigen dann auch immer wie gut es eigentlich auch laufen kann wenn wie gesagt schon vorher viel geklärt wurde sei es vorsorgevoll macht Patientenverfügung es wurde innerhalb von der Familie nennen eine verantwortliche Person bestimmt.

00:06:24: Es wurde darüber gesprochen, wie es sich der Patientin wünscht im Ernstfall und dann klappt die gemeinsame Arbeit eigentlich immer sehr gut.

00:06:36: Zwei Stockwerke runter in die Geburtenstation?

00:06:40: Ja also bei uns gibt es Gott sei Dank erfreulicherweise wirklich auch gute Zusammenarbeit.

00:06:47: vor allem die Väter sind oft wirklich sehr offen mit ihren Ängsten und Sorgen Und das ist uns auch wirklich sehr, sehr wichtig einfach um sie gut vorzubereiten auf die nächste Zeit mit Kind.

00:06:56: Also da gibt es wirklich viele positive Erlebnisse!

00:06:59: Laura, hast du noch etwas Positives zu berichten?

00:07:02: Ja natürlich.

00:07:03: Wenn Angehörige ihre Hilfe anbieten ist es für uns auch oft immer einfach eine sehr Entlastnis-Situation.

00:07:08: wir sind dankbar dafür wenn sie zum Beispiel eh schon da sind.

00:07:12: zu den Essenszeiten und das Essen muss eingegeben werden wenn so was übernommen wird.

00:07:16: dafür sind wir sehr dankbar und oft ist es auch für die Patienten angenehmer wenn's einfach ne vertraute Person übernimmt.

00:07:22: Was ich pflegende wünschen Ist die zentrale Frage der Folge, was wünschen Sie sich denn konkret von Angehörigen?

00:07:30: Also wir haben ja alle das gemeinsame Ziel und das gleiche Ziel nämlich dass die bestmöglichste Versorgung des Patienten besteht und eine schnelle Genesung erfolgt.

00:07:39: Und deshalb müssen wir auch Geduld- und Verständnis für einander aufbringen.

00:07:43: Leider besteht ja nach wie vor in der Pflege ein großer Personalmangel.

00:07:46: Wir versuchen unser Bestes zu geben sind aber auch dadurch einfach eingeschränkt und müssen stark priorisieren.

00:07:52: Deshalb ist es umso wichtiger Einfach auch die Pflege wertzuschätzen und auch die einzelnen Mitarbeiter und eine offene Kommunikation anzustreben, in der man auch einfach Probleme oder Bedenken äußern kann.

00:08:03: Und gerne können sich auf die Angehörigen aktiv in die Pflege mit einbeziehen.

00:08:07: Wichtig ist dabei nur, dass es in der direkten Absprache mit einem zuständigen Pflegekraft erfolgt.

00:08:13: Damit einfach Tätigkeiten oder auch ärztliche Maßnahmen wie Trinklimit oder Schonenkost oder Teilbelastung bei der Mobilisation eingehalten werden damit der Patient dann auch wirklich ordentlich versorgt ist und keine Probleme bestehen.

00:08:26: Auf eine Kommunikation das wichtigste also auch in euren

00:08:29: Bereich?

00:08:30: Ja auf jeden Fall!

00:08:31: Wir kommen in die Gönäkologie.

00:08:34: Was ist denn in der Geburtenstation?

00:08:37: Für euch wichtig, eure Wünsche!

00:08:39: Nein, also ich glaube das Vertrauen und Respekt wirklich an erster Stelle ist stehen für eine gute Zusammenarbeit.

00:08:47: Und ja es ist im Endeffekt wie auf den anderen Stationen auch.

00:08:50: Wie's die Laura schon gesagt hat ist wirklich eine offene Kommunikation wirklich als A&O.

00:08:55: Also wir sind auch wirklich dankbar für Beobachtungen von Angehörigen oder irgendwelche Hinweise, die ihnen auffallen Und bitte auch wirklich darum, wenn die Schwester gerade kein Ohr hat.

00:09:07: Einfach nochmal nachzufragen und einen späteren Zeitpunkt einfach zuwählen um wirklich da noch mal tief anzugreifen.

00:09:14: Auch der Sozialdienst hat Wünsche.

00:09:15: Jana

00:09:17: Ja, ich wünsche mir oder wir vom Sozialdienst wünschen uns das.

00:09:21: Angehörige verstehen.

00:09:23: Dass wir keine Organisationsstelle für alles sind sondern wir begleiten Prozesse.

00:09:27: Wir geben Orientierungen und zeigen Möglichkeiten auf.

00:09:30: Wir unterstützen gerne aber brauchen dafür auch die Mitarbeit von den Angehöhrigen.

00:09:36: Und ich wünsch mir noch dass schwierige Themen nicht verdrängt werden Dass man sich die Frage stellt, zum Beispiel auch was passiert wenn es zu Hause nicht mehr funktioniert.

00:09:46: Wer entscheidet im Notfall?

00:09:48: Ich weiß das sind keine einfachen Gespräche aber sie machen im Ernst Fall wirklich einen riesigen Unterschied für uns und ich würde mir auch wünschen dass man einfach immer eine gute Zusammenarbeit mit den Angehörigen hat.

00:09:59: Zusammenfassend kann man also sagen Vertrauen Geduld Kommunikation Klingt eigentlich nach den Grundlagen jeder guten Zusammenarbeit, sollte auch so sein.

00:10:11: Wenn ihr das jetzt mal ganz konkret machen müsstet welche Tipps würdet Ihr Angehörigen mitgeben?

00:10:18: Laura?

00:10:19: Also definitiv wäre es gut einem Angehöhrigen als festen Ansprechpartner innerhalb der Familie auszuwählen damit sich einfach nicht die Fragen immer wieder häufen Und auch, dass alle notwendigen Informationen die wir brauchen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Medikamentenpläne und so weiter zeitnah an uns weitergegeben werden.

00:10:38: Wir geben das dann ja auch an die anderen Berufsgruppen weiter wie den Sozialdienst damit es Hand in Hand funktioniert und bitte auch immer wieder Verständnis dafür haben, dass wir einfach unsere Arbeit priorisieren müssen.

00:10:50: Tipps aus der Geburtenstation!

00:10:52: Ja, es ist tatsächlich ähnlich wie bei der Laura.

00:10:54: Also Vertrauen und Verständnis, glaube ich, ist wirklich das was wir als Pflegekräfte am meisten mitbrauchen.

00:11:01: Manchmal fehlt für vieles die Zeit aber wir versuchen trotzdem unser Bestes.

00:11:05: Und

00:11:06: ja... man soll auch wirklich offen sein für vielleicht mal unangenehme Gespräche.

00:11:10: Die Laura hat sie auch schon angesprochen Aber dass es auf der Bissi ein Hindernis ist, dass wir mit Angehörigen schon immer wieder haben

00:11:18: Das Schlusswort hat Jana Täuber Sozialdienst?

00:11:22: Also für uns ist es ganz wichtig, dass vorab schon immer eine Vorsorgevollmacht Patientenverfügung organisiert wurde und nicht erst wenn die Krise zum Beispiel entsteht.

00:11:33: Es ist für uns genauso wichtig wie jetzt schon von den Kolleginnen erklärt das es immer einen Ansprechpartner gibt also dass man innerhalb der Familie entscheidet wer die Verantwortung eben übernimmt.

00:11:43: Wichtig ist auch, dass man frühzeitig auf uns zukommt.

00:11:46: Und ganz wichtig ist auch ein Punkt, ehrlich sein.

00:11:53: Auch wenn es schwerfällt zu sagen wir schaffen das nicht mehr in der häuslichen Situation.

00:11:57: Das ist überhaupt kein Versagen sondern das ist die Grundlage dafür dass wir eben eine gute Lösung finden.

00:12:04: und vielleicht noch einen Punkt Es wäre schön, wenn es nicht erwartet wird, dass sofort alles passiert.

00:12:11: Es sind viele Prozesse und sie brauchen einfach Zeit und das wäre noch ein ganz wichtiger Punkt.

00:12:19: Ganz zum Schluss gibt es eine Botschaft, wenn ihr einen Satz an Angehörigerichten könntet.

00:12:26: Welcher wäre das?

00:12:27: Einfach mal hintereinander weg!

00:12:29: Wir haben alle ein gemeinsames Ziel und durch gute Zusammenarbeit werden wir dies auch erreichen.

00:12:34: Also es geben viele tolle Menschen in unserem Haus täglich ihr Bestes aber wir brauchen ihre Unterstützung.

00:12:39: Wir lassen Sie mit der Situation nicht alleine, aber wir können sie ja auch nicht alleine für sich lösen.

00:12:44: Einen schöner Schlusssatz von Jana Thäuber Vom Sozialdienst.

00:12:48: danke auch an Stephanie Schieder und Laura Kauper für diese Podcast-Folge.

00:12:54: Und die Botschaften, die ihr jetzt gerade los geworden seid – das ist ja wirklich die zentrale Botschaft dieser Folge.

00:13:01: Angehörige um Pflegende sind ein Team!

00:13:04: Wenn wir einander zuhören, Verständnis zeigen, offen kommunizieren dann kann Pflege nicht nur funktionieren sondern auch wirklich ganz gut gelingen.

00:13:14: Danke dass ihr heute dabei wart und danke an unsere Gäste für die offenen Einblicke in eure Bereiche.

00:13:21: Das war Upgrade Pflege, der Podcast der Klinikum Bayreuth GmbH – bis zur nächsten

00:13:27: Folge!

00:13:29: Danke fürs Zuhören!

00:13:30: Wir

00:13:31: freuen uns auf die nächste Folge Upgradepflege,

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